Woran ich einen schlechten Spielleiter erkennen kann

Creigthon Broadhurst von Raging Swan Press hat bereits im August 2014 in seinem Blog einen Artikel über die 5 Merkmale geschrieben, die an denen man seiner Meinung nach einen schlechten Spielleiter erkennen kann. Ich habe mir zu diesen Aspekten meine eigenen Gedanken gemacht, die ich mit euch teilen möchte.

Dabei steht natürlich am Anfang die Versuchung, ausführlich über die Frage zu diskutieren, ob es einen schlechten Spielleiter überhaupt gibt und wenn ja, was das sein soll, ein schlechter Spielleiter. Das hängt offenbar von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Solche wie die eigene Erfahrung, die Erwartungen der Spieler (und die Fähigkeit, diesen zu entsprechen oder darauf einzugehen) und der eigene Anspruch an das Rollenspiel stechen dabei hervor.

Solange alle an einem gemeinsamen Spiel Spaß haben, urteilt niemand über die Qualitäten eines Spielers oder eines Spielleiters. Derlei Diskussionen entzünden sich in der Regel dann, wenn einzelne Spieler innerhalb einer Gruppe unzufrieden sind. Hierbei wird es wie so oft um den richtigen Umgang mit Erwartungen gehen – und einem gemeinsamen Konsens über das Spiel.

Gleichwohl identifiziert Creighton fünf Merkmale, die es objektiv schwierig machen, dauerhaft mit einem Spielleiter zusammen zu spielen. Nach meiner Erfahrung ist an diesen Punkten etwas dran, zumal der Spielleiter ein bisschen mehr Verantwortung für den Spielabend trägt als die Spieler.

Ein schlechter Spielleiter missbraucht seine Position

Als Spielleiter bin ich nicht nur Erzähler und Schiedsrichter, ich bin auch die ganze Spielwelt – und damit schon an sich in der Lage, die Spieler zu gängeln und ihnen Steine in den Weg zu werfen. Für mich geht es darum, gemeinsam mit den Spielern einen schönen Abend zu verbringen und nicht, Regeln zu streng auszulegen und darüber zu diskutieren oder Diskussionen im Nachgang gar nicht erst zuzulassen, weil ”ich ja immer Recht habe”.

Der Missbrauch seiner Position hat für mich auch etwas mit verspieltem Vertrauen zu tun: Wenn ich als Spieler meinen Charakter aus rollenspielerischen Gründen in Gefahr begebe oder ihm eine Schwäche zugestehe, vertraue ich darauf, dass hieraus ein Plus für das Spiel herauskommt – nicht ein toter Charakter oder ein permanents Ausnutzen meiner Schwäche.

Ein schlechter Spielleiter übernimmt keine Verantwortung

Hiermit ist dieVerantwortung für die Charaktere und der Ausgang einer Begegnung gemeint. Ein schlechter Spielleiter gibt seinen Spielern die Schuld an der Auslöschung der Gruppe – oder doch wenigstens den Würfeln. “Ihr hättet ja eine andere Taktik nutzen können!” Er gibt den Spielern die Schuld, wenn diese seinen sorgsam aufbereiteten und subtil verwobenen Plot nicht entdecken oder den entscheidenden Hinweis übersehen, ohne den die Geschichte nicht weitergeht.

Ein Spielleiter ist für das Spiel verantwortlich. Mehr noch als die Spieler. Er kann entscheiden, ob die Gruppe einer Kreatur begegnet oder ohne die geeigneten Gegenmaßnahmen in diese Falle läuft. Sogar in gekauften Abenteuern. Das nicht zu tun und sogar das Scheitern anderen Umständen zuzuschreiben, ist das Wegschieben von Verantwortung.

Ein schlechter Spielleiter beschwert sich über fehlende Ressourcen

Rollenspielen streitet seither mit anderen Hobbys. Und mit zunehmendem Alter wollen auch Job und Familie mehr Zeit für sich. Das Vorbereiten eines Spielabends ist – je nach dem eigenen Anspruch und Spielstil – eine Menge Aufwand. Es gibt ja mehr als einen Grund, warum die moisten Rollenspieler lieber spielen als leiten.

Ja, Zeit ist häufig knapp. Aber das heißt ja nicht, dass ich mich quasi entschuldigend bei meiner Gruppe darüber beschwere. “Leider hatte ich überhaupt keine Zeit, etwas vorzubereiten. Seht es mir nach, wenn der Abend heute mies wird.” Da steigt die Stimmung schon ganz gewaltig.

Wir alle am Spieltisch wollen eine gute Zeit haben. Manchmal verquatschen wir uns und widmen und gar nicht dem detailliert ausgearbeiteten Abenteuer, das ich vorbereitet habe. Aber gleichzeitig denke ich, dass ich als Spielleiter auch dafür dabei, eine positive Grundstimmung zu erzeugen. Selbst wenn ich nicht vorbereitet bin: Der Gruppe erstmal ein Monster vorzuwerfen, das einigermaßen in die Gegend past, kauft Zeit. Häufig habe ich einen überspannenden Handlungsbogen ohnehin im Kopf.

Wie dem auch sei: Ich beschwere mich nicht darüber.

Ein schlechter Spielleiter will gewinnen

Mein ältester Sohn fragt mich immer, ob ich beim Rollenspielen gewonnen habe. Es fällt mir häufig schwer, ihm zu erklären, dass es darum nicht geht – auch, weil er vielmehr von den Miniaturen fasziniert ist und den Unterscheid zwischen meinem Tabletop-Hobby und dem Rollenspielen nicht so verinnertlich hat.

Wie dem auch sei: Es dürfte klar sein, dass es im Rollenspielen nicht um den Konflikt zwischen Spieler und Spielleiter geht. Ich persönlich ziehe meinen Spaß aus der Zeit mit meinen Freunden, den Wendungen, die die Geschichte am Spieltisch nimmt und dem gemeinsamen Erleben der von mir vorgedachten und dann doch anders gelaufenen Abenteuern. Mir macht das Spaß. So gesehen will ich auch gewinnen. Aber nicht auf Kosten der Spieler und deren Charaktere.

Ein schlechter Spielleiter ist zu Unrecht zu sehr von sich selbst überzeugt

Und zwar in dem Sinne, dass er nicht bereit ist, konstruktive Kritik anzunehmen oder Ratschläge auszuprobieren. Ich erkenne ihn häufig an Floskeln wie “Wenn es Dir nicht passt, wie ich leite, such Dir doch ne andere Gruppe.”

Ich leite seit nunmehr 25 Jahren Rollenspiele. Und ich lerne jedes Mal noch etwas dazu. Ich lese Tipps und Berichte und frage mich, was ich davon mal umsetzen oder antesten kann. Ich probiere Neues aus und lasse es sein, wenn es niemandem gefällt. Ich stele Entscheidungen nach einem Spielabend zur Diskussion, um die Belange der Spieler angemessen zu berücksichtigen. Und ich erzähle einem anderen Spielleiter nicht ungefragt, was ich anders gemacht hätte.

Ja, manchmal würde ich mir mehr Feedback von meinen Spielern wünschen, gerade, wenn ich etwas Neues oder Anderes probiere.

Fazit

Listen darüber, woran ich einen schlechten Spielleiter erkenne, sind ja häufig die Anregung, sich selbst zu überprüfen. Einmal, um sich die Frage zu stellen, ob ich diese Ansicht teile und zum anderen, um zu prüfen, ob ich mich darin wiederfinde und wenn ja, ob ich daran was ändern möchte oder nicht.

Ich selbst seufze oft genug, dass mir die Zeit fehlt, mich ordentlich vorzubereiten. Selbst wenn das so ist, sollten doch meine Spieler nicht darunter leiden – also behalte ich das demnächst lieber für mich und versuche, den besten Spielabend mitzubringen, der mir möglich ist.

Und wie gesagt, am Ende entscheiden keine Listen, sondern der Spaß, den alle Beteiligten am Spieltisch haben.

7 thoughts on “Woran ich einen schlechten Spielleiter erkennen kann

  1. Schöner Artikel und wahre Gedanken! Werde versuchen Dir häufiger Feedback zu geben, wenn Du etwas Neues ausprobierst.

    Und in der Tat, meinen schlimmsten SL erlebte ich vor rund 20 Jahren und der Grund für dieses “schlimme Erleben” war hauptsächlich => Willkür (Positionsmissbrauch in Verbindung mit den anderen Punkten bis auf die Klage über fehlende Ressourcen). Insofern 100% Zustimmung zum Artikel von mir.

  2. In der Tat ein guter Artikel. Ich kann unserem SL hier inhaltlich voll und ganz folgen.
    Oli, ist es jener SL den ich auch zu Beginn mit dir kennen lernen durfte?

    • LOL nein, der Gute hatte zwar auch so ein paar Ansätze aber es war jemand, den Du flüchtig auf unserem letzten Con kennengelernt hast. Mittlerweile dürfte er sich aber auch stark weiterentwickelt haben. Die Sünden der Jugend… ;-)

  3. Es freut mich, dass jemand den Artikel gelesen hat – ich hatte Befürchtungen, dass er vielleicht ein bisschen zu lang geworden ist. Und das, obwohl das hier schon eine gekürzte Fassung ist.

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