Mein größter Fehler als Spielleiter…

“Jeder Spielleiter hat Dinge getan, auf die er nicht stolz ist.”

Spielleiten ist nach meiner Überzeugung wie alles im Leben: Richtig fertig bin ich damit nie. Ich kann immer noch etwas Neues dazu lernen. Und da ich mich in diesem Blog auch hin und wieder mit dem Thema Spielleiten beschäftige, habe ich einen Blick zurück geworfen und mir die Frage gestellt: Was waren meine drei größten Fehler als Spielleiter bisher?

1. Der ignorierte Spieler

In meiner Berliner Cthulhu-Runde haben wir – weil mich das Setting sehr begeisterte – Engel ausprobiert. Das Dorf, in dem die Engel die Nacht verbrachten, wurde angegriffen – offenbar wollte jemand die himmlischen Heerscharen von ihren Nachforschungen abhalten.

Aus einem Grund, der mir nicht mehr ganz geläufig ist, begab es sich, dass ein Engel bewusstlos wurde. Ich weiß nicht mehr genau, wie das passierte, aber ich weiß, dass es eine relative triviale Aktion war, die nicht zur Spannung des Spiels beitrug. Und trotzdem ließ ich den Engel während der gesamten kämpferischen Begegnung bewusstlos liegen.

Der Spieler beschwerte sich danach zu Recht, dass er knapp anderthalb Stunden nicht habe mitspielen können. Das hätte ich besser lösen müssen. Ich glaube aber, dass mir das im Eifer des Gefechts auch heute noch passieren kann – oder jüngst passiert ist, wenn z.B. bei einer Fähigkeit des Gegners ein Charakter für 4 Kampfrunden außer Gefecht gesetzt ist, der Kampf aber ingame genau diese 4 Runden dauert – dafür aber eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt. Eine befriedigende Lösung, die sich im Rahmen der Regeln bewegt, habe ich dazu – insbesondere in diesem konkreten Beispiel - noch nicht gefunden.

 

2. Der NSC

Besonders ganz am Anfang meiner Rollenspielzeit, als ich mit dem Schwarzen Augen in Aventurien unterwegs war, war es mir ein Anliegen, auch mit einem Helden an den Abenteuern teilzuhaben. Damals waren wir jung und unerfahren und konnten uns nichts Schöneres vorstellen, als mit völlig übertrieben mächtigen Charakteren die Welt unsicher zu machen. Wir wollten eben echte Helden sein!

Mir war schon ganz zu Beginn die Rolle des Spielleiters – oder Meisters – zugefallen. Wohl, weil ich Rollenspiele in meinen Freundeskreis eingeführt hatte. Dadurch hatte ich aber keine Möglichkeit, selbst all die spannenden Ideen für überzogene Charaktere auszuprobieren. Was lag da näher, als der Gruppe einen Nichtspielercharakter an die Seite zu stellen…?

Okay, ich muss zugeben, dieser mein NSC machte vielfach die Gruppe irrelevant, weil er natürlich als NSC noch mächtiger sein musste als die Helden und viel mehr über die Welt wusste als die anderen – und über das Abenteuer. Die Charaktere, die eigentlich die Helden der Abenteuer sein sollten, wurden zu Statisten und Stichwortgebern.

Heute fällt es mir leichter, NSC als Begleiter der Gruppe zu spielen – auch, weil ich diese mehr nutze, um aktiv am Rollen-spiel der Gruppe teilzunehmen; in Gesprächen und Handlungen. Das geht soweit, dass wir die Smaragdspitze mit nur drei Spielern spielen konnten und ich “ingame” den Spielleiter gegeben habe. “Wir betreten also einen Raum, der so und so aussieht. Oh, schaut. Da hinten. Dieseses auffällige Wandgemälde. Das erinnert mich an die Malerein meiner Cousine… eine schreckliche Person… Aber sie konnte den besten Kirschkuchen…”

3. Dies ist meine Geschichte

Irgendwann nach der – ich will sie mal so nennen – infantilen Phase meiner Rollenspiel-Laufbahn hatte ich erkannt, dass es nicht darum geht, mit übermächtigen Helden die Weltherrschaft an sich zu reißen. Statt dessen rückten die Geschichten in den Mittelpunkt. Das war ungefähr die gleiche Zeit, zu der ich begann, als Hobby kleine Geschichten selbst zu schreiben.

Was lag da also näher, als auch die Rollenspielabenteuer zu wirklichen Geschichten auszubauen? Natürlich Geschichten, die fest standen und die passierten, egal, was die Helden unternahmen. Und natürlich musste die Helden auch immer gerade dann dort seit, wo und wann sie sein mussten, um den Fortgang der Geschichte beobachten zu können.

Die Spieler hatten also keinen Einfluss auf die Spielwelt. Ihre Handlungen waren irrelevant. Und damit waren sie wieder zu Statisten geworden. Diesmal nich für einen übermächtigen NSC, sondern für eine Geschichte, die der Spielleiter schon kannte und nun erzählte.

Ich muss zugeben, dass ich noch heute die Tendenz habe, mir für die Abenteuer ganze Geschichten auszudenken. Zum Gluck fällt mir das häufig genug auf und ich kann gegensteuern. Aktuell besteht die Kampagne aus einem groben Handlungsstrang und NSC, die bestimmte Motivationen haben. Die Welt richtet sich nach dem, was meine Spieler erleben wollen. Folgen sie diesem Hinweis oder diesem? Wollen sie sich um die Rattenmenschen kümmern?

Die Idee, Thelfelden zu verlassen und unterzutauchen war wirklich großartig – früher ware dafür in meiner Geschichte kein Platz gewesen. Heute wäre ich sehr gerne mit meinen Spielern in diesen unbekannten Teil der gemeinsamen Erzählung aufgebrochen.

 

Natürlich kann ich mir die Frage nicht verkneifen: Was war euer größter Fehler als Spielleiter? Ertappt ihr euch heute noch dabei? Empfindet ihr das überhaupt als Fehler?

Diskutiert gerne in den Kommentaren zu diesem Thema.

3 thoughts on “Mein größter Fehler als Spielleiter…

  1. Da sich hier offenbar keiner traut Felder zuzugeben, mache ich mal dden Anfang.

    Ich habe in meiner Runde, die ich jetzt seit 3 Jahren leite einen Spieler, der regelmäßig Charaktere baut, die von der Charaktergeschichte alle toll sind, aber mal so gar nicht zur ausgewählten Klasse passen. Eigentlich nie.
    Der Ritter war schurkisch, der Schurke hat Angst was zu klauen, weil er ja erwischt werden könnte und nicht so viel aushält wie der bereits im Kampf lootende Ritter, der Kämpfer ist schwächlich und klettert oft auf Bäume um auszukundschaften, obwohl sowohl Waldläufer als auch Druide mit Vogel in der Gruppe sind und versteckt sich dann im kampf nach 2 Runden hinten, weil negativen KO-Wert aufweist.
    Ich ertappe mich häufiger dabei, dass ich versuche dem Spieler die eindeutiger Fehler seines Charakters aufzuweisen, also während des Spiels im Spiel, die sowieso schon offensichtlich sind.
    Es fällt mir wirklich schwer, sowas dann zu unterlassen, weil mich dieser Charakter so sehr aufregt und er vor allem dann meistens die Gruppe draufsetzt, die sich auf ihn verlässt in gewissen Bereichen.

    Zu den von dir aufgezählten Sachen.
    1. Kenne das Problem, wobei meine Spieler sehr häufig dafür sorgen, dass so etwas nicht passiert, in dem sie zu Boden gegangene Charaktere wieder heilen, obwohl das nicht immer sinnvoll ist.

    2. Spiele keinen NSC mit, da wir sozusagen 2 Spielleiter in der Gruppe haben und der andere Spielleiter dann immer abwechselnd eine andere Geschichte leitet, wo ich dann mitspielen kann. Das Problem des Super-Charakters kenne ich aber schon, vor allem am Anfang war mein Charakter viel zu stark, weil ich die Regeln einfach besser kannte und das ausgenutzt habe.

    3. Das Problem habe ich tatsächlich erfolgreich bisher umschifft. Habe immer nur einen groben Plot im Hinterkopf und Motivationen von NPC, und was sie so unabhängig von den Spielern normalerweise tun. Was genau passiert, entscheiden dann die Spieler. Führt hin und wieder zu unvorbereitenden Situationen, was aber bisher angeblich sehr selten aufgefallen ist.

    Ein schöner Artikel, der zur Selbstreflexion anregt. Schön.

    • Es gibt für mich einen Unterschied zwischen “zur ausgewählten Klasse passen” und dem, was Du schilderst. Eine Klasse muss ja nicht stereotyp mit einem starken, widerstandsfähigen Kämpfer gefüllt werden. Ich kann mir hier auch andere Konzepte vorstellen. Die Klasse ist dazu ein Gerüst; ob ich deren Vorteile nutze, ausschöpfe oder optimiere ist dann eine anderen Entscheidung – und am Ende vielleicht auch eine andere Art von Spiel.

      Jetzt kenne ich Deine Situation nicht genau, aber es klingt ein bisschen nach unterschiedlichen Vorstellungen vom Spiel. Wenn Du dann in Deiner Reaktion In-Game darauf einen “Fehler” Deinerseits siehst, glaube ich, dass ihr euch über eure Vorstellungen von einem gelungenen Spiel unterhaltet sollte, um abzuklären, ob ihr von einem Spielabend das gleich erwartet – und mit der gleichen Art von Spielabend glücklich werdet ;-)

  2. Ich kenne die Probleme, welche Tobias schildert und habe auch dieselben Fehler gemacht.
    Insbesondere neigte ich dazu, unsere Gruppe mit einen NSC zu versehen und der konnte natürlich der Gruppe immer weiterhelfen oder konnte den Kampf notfalls noch zu Gunsten der Gruppe drehen.

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