In die Tiefe

Während die Charaktere versuchen, die beunruhigenden Bilder aus dem Keller des Anwesens in der Nacht verdrängen, kriecht die nächste Bedrohung durch die Gänge – und unter wildem Geschrei werden die tapferen Helden unsanft aus dem Schlaf gerissen: “Feuer! Feuer!”

Steavs Anwesen steht in Flammen. Nachdem die Charaktere in aller Ruhe ihre Rüstungen angezogen haben, begeben sie sich zum Ort des Geschehens. Der östliche Teil des Hauses brennt; dort, wo der Festsaal liegt – und der verfluchte Keller. Freiwillige aus Thelfelden und Bedienstete des Hauses kämpfen tapfer und geordnet gegen die Flammen.

Die Gruppe sieht jedoch die Beweise für ihre Unschuld in Gefahr und begibt sich in den dichten Qualm und Rauch im Inneren. Dort stößt sie auf zwei verirrte Rattenwesen, bevor sie den bewusstlosen Baltor von Kaltenhof aus dem Arbeitszimmer bergen kann. Der berichtet anschließend von dem Überfall der Ratten. Am nächsten Morgen stellt er fest, dass etwas gestohlen wurde: ein runder Behälter, in dem ein merkwürdiger Stab mit einem blauen Kristall aufbewahrt worden war. Von Kaltenhof hatte sich mit dem Gegenstand nicht weiter beschäftigt; da die Ratten ihn aber haben wollten, vermutet er eine Verbindung zu dem frevelerischen Kult um den Rattenkönig und bittet die Gruppe, den Stab zu beschaffen.

Das trifft sich ganz gut mit den Zielen der Gruppe, Thelfelden vor der Bedrohung, die der Rattenkönig darstellt, zu schützen. Anstatt sich ordentlich auszurüsten und Informationen über die Gefahren der Unterwelt zu besorgen, macht sich die Gruppe kopfüber auf den Weg in die Tiefe…

Die Spuren der Ratten sind schnell gefunden. Der Gang zum Keller ist mit den Pfoten gegraben, führt aber in eine alte, fast vergessene Silbermine aus den Zeiten des untergegangenen Thelis. Hier wird es schwieriger, die Orientierung zu behalten. Die Gruppe findet einen bemerkenswerten Raum, in dem die Überreste menschenverachtender und schändlicher Experimente ihre letzte Ruhe gefunden haben. Daneben stapeln sich alte, verdorbene Vorräte. Das Leiden, das die Kreaturen – Menschen und Tiere mit mutierten Gliedmaßen und Organne – erduldet haben müssen, hat Gestalt angenommen und trachtet danach, seinen Kummer an der Lebensfreude der Lebendigen zu stillen. Nach dem ersten – richtigen – Gedanken an einen Rückzug stellen sich die Helden dem Kampf und gehen knapp siegreich hervor; auch dank der Unterstützung von Vanessa Urdon, einer Paladinin aus dem Gefolge Baltors, die dieser zum Schutze der Gruppe mitgeschickt hat.

Ohen Rast geht die Jagd nach den flüchtigen Rattenwesen weiter – scheinbar in eine Sackgasse der Mine. Hier ist ein ganzes Rudel Rattenmenschen gerade dabei, den Fluchtweg zu versperren und die Stollen und Schächte zu sprengen. Die Charaktere versuchen, dies zu verhindern, werden aber entdeckt und müssen sich mit allem Geschick ihrer Haut erwehren. Einige Sprengladungen werden entzündet und es bleiben nur Sekunden, bevor die Gänge einstürzen. Im letzten Moment gelingt es der Gruppe, zum einen die Rattenwesen zu besiegen und zum anderen durch einen engen Fluchttunnel zu entkommen.

Sie verfolgen die paar Ratten, denen ebenfalls die Flucht geglückt ist, durch einen natürlichen Tunnel, den ein unterirdischer Fluss über Jahrhunderte in den Fels gegraben hat – bis zu einer kleinen Höhle, in der Rattenwesen im Schein grün leuchtender Pilze ein kleines Lager aufgeschlagen haben.

Der Kampf gegen die Ratten gestaltet sich schwierig, gilt es doch auch, den Fluss zu überqueren. Schließlich gelingt es den Charakteren aber, die Höhle zu erobern und damit ihr erstes Zwischenlager auf der langen Hatz zu errichten…

Die Kampagne wird nun eine ganze Weile unter Tage spielen. Deshalb hatte ich einen actionreichen Einstieg mit Verfolgungen, einstürzenden Tunneln (Abschneiden des Rückweges) und unterirdischen Flüssen geplant. Nachdem sie erst einmal die Unterwelt betreten hatten, sollten die Charaktere keine Pause haben. Die Höhle mit dem körperlichen Leiden war ein kleiner Abschiedsgruß an die Oberfläche und eine notwendige Verknüpfung mit den Machenschaften der Ratten. Im Nachhinein hätte ich diese aber auch weg lassen können. Der Spielabend war nämlich sehr lang – und zog sich auch dadurch, dass es den Spielern nur glückte, mit vernünftigen Würfelwürfen die Gegner in einer vernünftigen Zeit zu besiegen. Um ein dramatisches Ende zu verhindern, musste ich während des Kampfes die Ratten etwas abschwächen – andererseits hatten die ja auch eine anstrengende Flucht hinter sich.

Schade fande ich, dass die Gruppe kein Interesse daran zeigte, die Reise in die Unterwelt angemessen vorzubereiten (Ausrüstung und Informationen). Dadurch büßen wir zwei Handlungsstränge ein, die als Aufhänger für viel spätere Entwicklungen gedacht waren.

9 thoughts on “In die Tiefe

  1. Das Geschehen war wieder sehr spannend.
    Ich hatte als Spieler das Gefühl, dass der Gruppe nicht genügend Zeit zur Verfügung stand, um Informationen einzuholen. Vielleicht sollte das beim nächsten Mal etwas deutlicher gemacht werden, damit die Spieler verstehen, dass noch genügend Zeit zum Vorbereiten für die Unterwelt bleibt.

    • Witzig, ich wollte gerade etwas ähnliches schreiben. Obwohl im späteren Teil bestimmt beabsichtigt, hatte ich irgendwie das Gefühl die ganze Zeit getrieben zu sein. Hatte ja auch einmal was in Bezug auf Informationen sammeln eingestreut aber es viel auf keinen fruchtbaren Boden (war mir ob der Möglichkeiten u.a. auch nicht wirklich sicher). Hatte zudem das Gefühl ständig querschießen und wollte auch nicht ständig alles torpedieren (z.B. anziehen der Rüstung a la Selbstschutz vor Fremdschutz, etc.). Den Plan unseren Kram aus den ganzen vergangenen Spielabenden zu verkaufen (und aufzurüsten) hätte ich gerne verfolgt aber irgendwie drücken die Ereignisse da doch schon ordentlich (allerdings in einem absolut positiven Rahmen, das war bei dem Abenteuerpfad wirklich schrecklich und ist nicht zu vergleichen). Immerhin will ich ja meine eigenen Waffen herstellen und nicht einfach kaufen… Vom Spielgefühl war es mit persönlich diesmal viel Hack’n'Slay, allerdings haben wir, wenn ich das oben richtig lese, uns das auch selber zuzuschreiben. Denke wir sollten uns da künftig nicht so blind auf alles Neue stürzen. Hinweise durch den SL wären da sehr willkommen, habe es diesmal wirklich nicht wahrgenommen und finde es schade jetzt was zu verpassen (gerade weil wir mit dem Gedanken kurz gespielt hatten).

      • Zitat: “Hinweise durch den SL wären da sehr willkommen (…)”

        Hinweise wie in folgendem Dialog?
        SL: “Wollt ihr nicht noch Vorräte mitnehmen? Oder Medizin bei Astrid?”
        Spieler 1: “Und da wieder auftauchen, um Hilfe fragen? Astrid hat so viel für uns getan. Wir wollen die nicht weiter ausnutzen. Außerdem habe ich ihr versprochen, ihr beim Kräuter sammeln zu helfen.” (und so weiter).

        :-)

        • :-) Ok, der Punkt geht an Dich. Ich glaube ich(!) muss das Lesen im Klartext nochmal üben. Fand das Ausnutzen der Armen Astrid aber auch wirklich nicht angebracht.

    • Zeit hat man nur, wenn man sie sich nimmt.

      Wenn ich eine Reise in unterirdrische Tiefen antreten möchte, um Rattenwesen, von denen ich nie zuvor gehört und die ich nie zuvor gesehen habe, zu jagen, die einen Gegenstand, von dem niemand weiß, was er ist, gestohlen haben und ich nicht weiß, was mich außerdem noch da unten erwartet und wie lange ich da unten bleiben werde und auch nicht sooo der Profi im Herumklettern in Tunneln bin – ich weiß nicht, ich glaube, ich würde mir schon die Zeit nehmen :-)

      • Irgendwie dachte ich wir gehen da kurz rein und dann wieder raus. Hatte auch nicht damit gerechnet, das wir im ersten Anlauf Erfolg haben würden. Immerhin bin ich auf der Flucht in die richtige Richtung für so eine Exkursion gerannt. Das es so ausufern würde und wir dann dort bleiben (müssen), hatte ich (wahrscheinlich ob der Müdigkeit) nicht Ansatzweise kommen sehen. Gelobe Besserung und muss defintiv Lernen Dich besser zu deuten. ;-)

        • Hmmm…wäre nicht das erste Mal, dass unser unbedachtes und überhastetes Handeln zum Ende der gesamten Gruppe führt. Ich sehe unsere Zwergengebeine (o.k. nicht nur die, sondern auch jene vom Rest der Gruppe-obwohl schon eher verschmerzbar) schon von Ratten abgenagt in den endlosen Tunneln liegen.
          Ja, dort unten in der ewigen Finsternis, fernab von allem was uns lieb und teuer ist, wo wir strahlende Helden von Thelfelden sind, sniff…wer wird sich unserer dann noch erinnern?
          Aber ich bin ja Zweckoptimist und sage einmal so:
          Es wird nicht einfach werden, aber am Schluss werden wir als Sieger das Tageslicht wiedersehen !

          • Strahlende Helden? Auf was für’n Stoff bist Du denn? Die wenigsten Bügher in Thelfelden kennen uns und bisher sind wir nur die, die entbehrlich sind. Von daher, nix Helden. Bisher haben wir mit Ach und Krach die Wirrungen des aufziehenden Sturms überlebt. Wenns uns in der Höhle ereilt, was wahrscheinlich ist, dann wird man sich nicht mal an uns erinnern. Und das ist auch gut so! :-)

          • Na ja, also “strahlend” habe ich ja auch nicht geschrieben, vermutlich sind wir sehr schmutzig, wenn wir aus dem Dungeon zurückkommen, aber spätestens nach dem Bad werden wir “strahlende Helden sein” !
            Und was soll schon passieren, ihr habt ihn Stahlherz den ultimativen Kämpfer dabei. Was sollen diese kleinen und schwächlichen Rattenmenschen da schon ausrichten können?
            Nichts. Genau !

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