Die Spinne und der Gärtner

Am vergangenen Spielabend konnten wir den Feiertag ausnutzen und zu ungewohtn früher Stunde mit dem Spielen beginnen. Nachdem wir uns mit dem traditionellen Geburtstags-Chili unseres Gastgebers gestärkt hatten, setzten wir die Reise in den Tiefen unter Thelfelden weiter fort. Die Gruppe war ja immer noch dabei, die geflohenen Ratten ein und den erbeuteten Gegenstand wieder zurück zu holen.

Sie folgten dem kleinen, unterirdischen Fluss und kletterten neben einem Wasserfall hinunter. Schließlich verlor sich aber die Spur der Rattenwesen in einer großen Höhle, aus der drei Gänge hinaus führten. Stahlherz, der Waldläufer, identifizierte den richtigen Weg – und führte die Gruppe geradewegs in das Gelege einer gigantischen Spinne und ihrer hungrigen Kinder. Zwischen all den Spinnennetzen konnten sich die Helfen knapp ihrer Haut erwehren.

Sie legten eine Rast ein. War es Tag? War es Nacht? Wer konnte das unter all den Gesteinsschichten schon sagen… Frische Luft und die wärmenden Strahlen der Sonne waren nur ferne Erinnerungen…

Ausgeschlafen und etwas erholt setzte die Gruppe ihren Weg fort – diesmal mit einem anderen Tunnel, der sie geradewegs nach Utor, einen riesigen Pilzwald, führte. Zwischen all den gigantischen Pilzen hingen ledrige, mit einer unbekannten Flüssigkeit gefüllte Eier. Ein kurzer Test offenbarte einen seelenlosen Schleim, der die Charaktere zu verzehren suchte.

Also war Vorsicht angeraten. Der Weg zwischen den Pilzen führte zu einer Begegnung mit durch Pflanzen belebten Rattenkörpern; groteske Verzerrungen lebendiger Ratten. Wer konnte schon sagen, welche Schrecken noch in der Tiefe der Welt lauern…?

Nun, zum Beispiel die unsichtbaren Sporen, denen Teil der Gruppe die ganze Zeit über ausgesetzt waren und die bei manchen schließlich zu Anfällen geistiger Umnachtung führten – einschließlich der blinden Flucht in das Unbekannte, das sich in diesem Fall als Hain fleischfressender Pilze herausstellte.

Nach all den Strapatzen und Gefahren erreichte die Gruppe schließlich einen friedlichen See. An dessen östlichen Ufer erhobt sich ein gigantischer Pilz – die Spuren der Rattenmenschen führten in diese Richtung. Und dort traf die Gruppe auf Karnia, eine Pilzdryade, die sie um ihre Hilfe bat – Hilfe im Kampf gegen den Gartner, eine menschliche Kreatur, die die Ruinen im westlichen Teil der Höhle beherrschte und dort seit Jahrhunderten Experimente mit den Pilzen durchführte.

Die Gruppe willigte gerne ein (was mich ein um das andere Mal erstaunt) und brach nach einer weiteren Rast auf. Die Ruinen stellten sich als überwucherte, offenbar menschliche Behausungen dar. Seelenlose Pflanzenzombies waren mit der Bewässerung riesiger Wurzeln beschäftigt. Also stürmten die Gefährten vor.

Allerdings wurden sie von dem Gärtner und seinen Getreuen überrascht. Sogar die wucherenden Pflanzen wandten sich gegen die Gruppe. Es kam zu einem kurzen, heftigen Gefecht, in dessen Verlauf Stahlherz unter einem sengenden Strahl Feuers sein Leben aushauchte. Trotz dieses schweren Verlustes konnte die Gruppe die Gegner besiegen – auch deshalb, weil die wirklich spannende Gestaltung dieser Begegnung, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nur grob angedacht hatte, mir erst viel spatter bei der Rekapitulation des Spielabends in den Sinn gekommen ist. Analog zu Computerspielen hätte sich hier ein Gefecht mit mehreren Phasen angeboten, vielleicht auch mit einem Verbündeten, der für die Dryade an der Seite der Gruppe gekämpft hätte.

Nun ja, ändern lässt sich das jetzt nicht mehr. Ich werde nur verstärkt daran denken, künftig mehr Zeit in die Planung der wichtigen Kämpfe zu investieren. Insgesamt war der Spielabend von dem Pilzwald und seinen Wundern sehr dominiert. Die Inspiration hierzu hatte ich aus einem Bild gefunden, das ich bei der Suche einer unterirdischen Stadt entdeckte. Bei der Recherche nach Pflanzenthemen kamen dann allerhand Kreaturen und Ideen dazu, auch die alte Ruine der Forscher und so weiter.

Dadurch wurde das Intermezzo in Utor zu einem eigenen Spielabend – was sich aber meiner Meinung nach gelohnt hat.

6 thoughts on “Die Spinne und der Gärtner

  1. Klingt nach einer sehr spannenden Sitzung.

    Wie machst du das für den Spieler, dessen Charakter jetzt gestorben ist? Wie kann ma da unten einen neuen Charakter einführen? oder ist er nur ins Negative gegangen?

    Ansonsten weiter so. Macht richtig Spaß mal was aus einer eigenen Kampagne zu lesen, was wöchentlich wirklich gespielt wird.

    • Vielen Dabk für den freundlichen Kommentar!

      Wir spielen grundsätzlich nur alle zwei Wochen. Wegen der Feiertage und anderer Termine kann es etwas unregelmäßig wirken :-) ich glaube, eine wöchentliche Runde würde ich zeitlich nicht schaffen.

      Ich sehe aktuell drei Optionen: der Spieler übernimmt vorerst die NSC-Paladinin. Oder Stahlherz wird auf merkwürdige Weise belebt. Oder ich muss einen neuen Charakter hinein “zwingen”.

      Ich diskutiere das gerade mit dem Spieler. Auf Natamis habe ich Wiederbelebungsmagie eigentlich verboten. Andererseits können in unterirdischen Pilzhöhlen manchmal ungewöhnliche Dinge geschehen…

      • Eine Idee wäre doch, wenn da unten öfter mal so seltsame Gestalten wie der Gärtner rumlaufen, dass sich dort ein versklavter “was auch immer der Spieler spielen möchte” dort unten befindet.

        Zum Beispiel in einem Versteck des Gärtners. Bräuchte man halt eine sinnvolle Geschichte, warum der da ist.
        Oder einen Sohn/Frau dieses Mannes, die tyrannisiert wurden. Irgendetwas in die Richtung.

        Das würde dann vor allem deinen Geboten entsprechen, die ich sehr gut finde. Ich mag diese Mentalität nicht “Ja gut, bin gestorben, aber dann beleb ich mich halt wieder” Der einzig gute Zauber da, ist der vom Druiden, da man so seinen liebgewonnen Charakter behält, aber unter Umständen ganz für die Klasse böse Volksmerkmale bekommt.

  2. Wie immer schön zu lesen, ich mag eure Welt, die da so entsteht (bin gerade dabei, selbst die Grundzüge für sowas festzulegen, da ich Arbeitskollegen P&P näher bringen will ^^).

    Die Idee mit den Pilzwäldern gefällt mir und wird geklaut :D

    Das mit Stahlherz ist schon frustrierend – wie steht denn der Spieler dazu? Eigentlich bin ich ja kein Fan von Wiederbelebungsmagie / Göttlichen Wundern etc., da die Konsequenzen von Kämpfen sonst arg heruntergespielt werden. Wenn der Spieler nun aber dermaßen an seinem Charakter hängt, dass er ansonsten nicht weiterspielen will, dann würde ich da eine Ausnahme machen.

    Man könnte auch jemanden als zusätzliche Partei hineinbringen. Vielleicht jemanden, den die Pilzdryade schon früher nach Hilfe gebeten hatte und der in den Höhlen unterwegs ist. Der erst einmal nur “lose” bei der Gruppe dabei ist und seine eigene Agenda verfolgt (sowas kann ja ganz witzig sein).

    • Nun – Stahlherz Spieler ist derjenige, der stets ein ganzes Bündel an Ideen für neue Charaktere mit sich herum trägt. Das geht einerseits soweit, dass die Mitspieler einen Moment davon ausgingen, als sei Stahlherz Tod geplant. Andererseits hatte der Spieler sehr konkrete Pläne, Stahlherz in seiner Schmiede zur Ruhe zu setzen…

      Mit einer eigenen Agenda habe ich bisher kaum gute Erfahrungen gemacht – vielleicht auch, weil die Spieler oder ich das übertrieben haben; ich ich kein großer Freund von Paranoia war :-)

  3. Nun, als Spieler der Betroffenen Figur möchte ich mich hier auch nochmals kurz zu Wort melden.
    Für mich gehört das gewaltsame Ableben eines Charakters mit zu dem Spiel und dessen Reiz.
    Natürlich sollte dies eine Ausnahme sein, es sei denn der Spieler nimmt dieses Risiko trotz Hinweise des SLs, wissentlich in Kauf.
    In meinem vorliegenden Fall lag es einfach an den guten Würfeln unseres SLs.
    Gleich zu Beginn der Konfrontation mit dem Gärtner und seinen Pflanzen ereilte ihn ein kritischer Treffer und Dank der kritischen Trefferksrten auch noch 3facher Schaden.
    Danach ließ ich meinen Charakter nur noch mit einer Waffe mit Reichweite agieren, um keinen weiteren Schaden zu riskieren, dies half zwar im Nahkampf zu bestehen ohne Schaden zu nehmen, gegen den Zauberangriff war die Figur aber hilflos, zudem Rettungswurf misslungen, voller Schaden und das war es!

    Ich mache hier weder dem SL noch der Gruppe einen Vorwurf.
    Sie hatte auch nur noch eine oder zwei Runden um zu reagieren und der Kleriker in der Gruppe hatte den Ernst der Lage nicht erkannt.
    Als Spieler habe mich dafür entschieden outplay nicht auf die extreme Situation hinzuweisen, da meine Figur ja bewusstlos war.
    Hier war ich einfach nur konsequent.

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