Die Stadt der Schatten

Aus der Dunkelheit der großen Höhle hatten sich die ersten Schatten gelöst und die Gruppe tapferer Abenteurer im Unterreich angegriffen. Gegen kaum stoffliche Wesen hatten sich die Charaktere nur schwer erwehren, aber doch schließlich erschöpft Atem holen können – unmittelbar bevor sich die Dunkelheit zu einem weiteren Schlag ballte und eine wahre Flut weiterer Fetzen tiefster Schatten aussandte…

So hatte die Gruppe gar keine Zeit, sich zu besinnen oder Pläne zu schmieden. Immer mehr und mehr Schatten lösten sich aus der Dunkelheit und griffen mit der tiefen Kälte einer anderen Welt nach den Herzen der Charaktere, in denen langsam die Hoffnung schwandt. Vanessa Urdon, Paladina, stellte sich der Dunkelheit entgegen und erkaufte den Charakteren die wertvollen Sekunden, die diese benötigten, um sich in den Überresten der unterirdischen Stadt in eine trügerische Sichehreit zu begeben. Vanessa selbst wurde schließlich von der Dunkelheit verschlungen.

Nach dem Verlust ihrer Begleiterin suchte die Gruppe Unterschlupf in einem leerstehenden Haus. Die Stadt – aus dem groben Felsen gehauen, aber von perfekter Gradlinigkeit und Form – wirkte nach wie vor unbewohnt. Von irgendwoher schien ein grünliches Licht zu leuchten, ohne dass jedoch eine Lichtquelle zu finden war. Bemerkenswerter Weise waren die Wände der Hauser mit Schriftzeichen in dünner, verwitteter Schrift überzogen. Oder waren es Bilder? Welche Geschichte erzählten sie? (Von einem Kampf zwischen Wesen aus einer anderen Welt? vom Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit? Märchen von Feen?)

Nach einer Rast und der Erkenntnis, dass die Vorräte sich bedrohlich einem jähen Ende zuneigten, dem bitten Geschmack der essbaren Flechten im Mund, erkundete die Gruppe die Stadt, suchte nach einem Weg, folgte Kratzspuren im Boden. Zum Gluck wagte sich die Dunkelheit in der Höhle nicht in die Stadt hinein.

Und dann waren da Schritte. Ein Schrei. Die Helden zogen ihre Waffen und eilten in die Richtung, trafen auf ein Rudel Rattenmenschen, die einen der ihren in die Ecke gedrängt hatten und dabei waren, ihn zu erschlagen. Beherzt griffen die Charaktere ein – vor allem, nachdem sie die Aufmerksamkeit der Ratten auf sich gezogen hatten. Die haarigen Viecher hatten den entschlossenen Angriffen nichts entgegen zu setzen.

Und so rettete die Gruppe Firmin, die weiße Ratte, vor seinem sicheren Ende. Firmin erzählte von der gigantischen Stadt der Ratten, die nicht weit entfernt von hier lag. Er erzählte von seinem Schicksal als Ausgestoßener mit weißem Fell, von den Clans und dem großen Plan, die Oberfläche zu unterwerfen, zum Licht zu streben. Er erzählte von Sul, dem neuen Kriegshäuptling und seinem eigenen Leben im Schmutz und in den Schatten, immer auf der Flucht.

Firmin war froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihm nicht nach dem Leben trachtete, auch wenn die Oberflächenbewohner merkwürdig waren… So beschlossen die Fremden, sich zu verbünden. Die Charaktere suchten einen Weg nach oben, das Artefakt. Und Firmin suchte Anerkennung; einen sicheren Hafen.

Also schmiedeten sie einen Plan und verließen die geheimnisvolle Stadt (mit einem kurzen Gefecht gegen einen alten, vergessenen Wächter auf der Brücke).

Als ich den Bogen für die Abenteuer unter der Erde entworfen hatte, war eine alte Stadt darin sofort vorgekommen. Bei der konkreten Vorbereitung des Spielabends – die angesichts beruflicher verpflichtungen kurz genug ausgefallen war – erschien mir das dann aber viel zu viel. Eigentlich jagte die Gruppe dem Artefakt nach. Die Jagd war jedoch mit all den Episoden zu einem Nebenschauplatz geworden. Jedenfalls fühlte es sich für mich so an, weshalb ich alle Ideen zu der unterirdischen Stadt verwarf.

Leider wirkte die Stadt am Ende dadurch etwas zu leer. Aber immerhin konnte ich mit dem Auftauchen der Ratten den Fokus wieder auf die eigentlichen Aufgabe lenken – und Dinge andeuten, die sich um Hintergrund abzeichnen. Es gibt also eine ganze, gigantische Stadt dieser kleinen Nagetiere…?!

Der Name Firmin stammt übrigens aus dem Buch Firmin, ein Rattenleben von Sam Savage, das von einer Ratte handelt, die sich durch die Bücher der Weltliteratur frisst und dadurch zu etwas ganz Besonderem wird. Das Buch kann ich grundsätzlich empfehlen, scheint mir aber aktuell vergriffen und nur gebraucht erhältlich zu sein.

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