Der Maga-Tempel

Um etwas von den weißen Bodenplänen und handgezeichneten Skizzen weg zu kommen, habe ich am vergangenen Spielabend die alten Papp-Bodenteile heraus gesucht. Diese eigenen sich meines Erachtens immer dann ganz gut, wenn ich künstliche (also eckige) Räume darstellen will: So eben auch für den alten zwergischen Tempel der Maga, den es zu erforschen galt.

Und obwohl zwischen den beiden Spielterminen nur eine Woche Zeit war, habe ich diese genutzt und mich mit der Frage nach der Geschichte und der Mythologie der Zwerge beschäftigt. Immerhin haben wir aktuell zwei Zwerge in unserer Gruppe. Und außer einem “Das Volk der Zwerge ist vom Aussterben bedroht”-Aspekt aus der Welterschaffung hat sich bisher niemand intensiver mit den Zwergen auf Natamis auseinander gesetzt.

Ich kann im Einzelnen die Inspirationsquellen gar nicht mehr nachvollziehen – eine Mischung aus klassicher Mythologie verbunden mit etwas Warhammer und vermutlich auch die ein oder andere Idee haben dazu geführt, dass die Zwerge einen Pantheon aus drei Göttern verehren: Gorum, den Schmiedevater. Maga, die Hüterin des Herdfeuers. Und Korth, das Dunkle Feuer der Seelen. Damit kommt bei den Zwergen das Feuer in drei Facetten vor: Schmiede, Herd und das Bestattungsfeuer, das die Seelen reinigt.

Jetzt gibt es aber in der Welt angelegt eine scharfe Trennung zwischen der Ebene des Feuers und der Ebene der Erde. Ich habe mich dann mit der Frage beschäftigt, wie die Zwerge beziehungsweise die zwergischen Götter an den Funken gekommen sind, um das Feuer bei ihnen zu entfachen und hier eine kleine Legende erfunden, diese dann variiert und in den Kontext eines sterbenden Volkes gesetzt.

Was das mit dem Spielabend zu tun hat? Nun, der Tempel, den die Charaktere darin erforschten, war die Heimstatt der Sekte Wächter des Wortes. Ohne dass die Charaktere bisher genau wissen, was das Wort ist und in welchem Zusammenhang es mit zwergischen Mythen und Legenden steht, konnten sie doch nach und nach herausfinden, dass der unterirdische Tempel vor etwa 700 Jahren von Morlocks überrannt wurde. Was immer das Wort auch ist, ist verschwunden. Geraubt? In Sicherheit gebracht?

Kann dieses Wort dabei helfen, das Sterben der Zwerge und den Niedergang des Volkes zu verhindern?

Der Tempel selbst bestand aus einigen wenigen Fallen – leider kam Jiri erst später dazu, nachdem die Fallen bereits ausgelöst worden waren. Zwei steinerne Wächter waren keine große Herausforderung. In dem Raum der letzten Schlacht gab es Hinweise und einige wenige Schätze zu finden. Dahinter in dem zweiten Altarraum führte eine Treppe in das Heiligtum. Ein Geist der alten Wächter hielt hier ewige Wacht. Die Charaktere sprachen mit ihm. Sie gewannen Informationen und konnten den Geist schließlich überzeugen, dass er nur ein Geist war.

Ein kleiner Stapel textlicher Handouts sollte zur Atmosphäre und Legendenbildung in der Spielwelt beitragen.

In der Nacht, die die Gruppe in dem Tempel verbrachte, veränderte sich Stahlherz weiter; seine Haut nahm Aussehen und Anmutung pflanzlichen Materials an – was den armen Kerl in Verzweiflung versetzte und woraufhin er erst die Statue Magas und dann seine Gefährten angriff, die ihm dies ja angetan hatten. Es gelang der Gruppe, Stahlherz wieder zur Vernunft zu bringen. Aber vielleicht ist es nur eine Ruhe vor dem Sturm, der im Inneren des Zwerges gärt.

Die Charaktere bemerkten schmerzlich den Mangel an Nahrung und beschlossen, nunmehr auf die Jagd nach einer der Hauptnahrungsquellen der Rattenmenschen zu gehen: Riesenkäfer.

5 thoughts on “Der Maga-Tempel

  1. Ich finde deine Berichte echt klasse.
    Macht Spaß sie zu lesen und auch was du dir im Hintergrund gedacht hast.

    Schöne Geschichte, ich hoffe, ihr macht noch lange weiter und werdet nicht alle vom wiedergeborenen Stahlherz im Schlaf erdolcht ;)

    • Vielen Dank für die freundlichen Worte!
      Und bring den Spieler von Stahlherz bloß auf keine dummen Ideen. Andererseits könnte die Gruppe dann die gleiche Geschichte aus einer anderen Perspektive erleben; zum Beispiel als Rattenmenschen-Gruppe, als Zwergengruppe auf der Suche nach dem Wort oder als neue Gruppe an der Oberfläche, die direkt von der Invasion aus den Tiefen betroffen wird.
      Oh Mann, ich muss zugeben, dass mir alle drei Ideen gut gefallen!

      • Ja es ist immer einfacher sich eine Gruppe zu erstellen, die Sinn macht, wenn die Geschichte bereits läuft, weil man die Motivation gut erklären und steuern kann.

        Wobei ich das immer schade finde, seinen alten Charakter zu verlieren.

        Eine Frage: Wie macht ihr das mit Stahlherz? Kommt das vom Spielleiter oder vom Spieler, also das Verhalten? Ich nehme an, seine körperlichen Veränderungen vom Spielleiter, aber seine Umgangsweise damit? Auch?

        • Wir haben lange überlegt, wie wir mit Stahlherz plötzlichem Ableben umgehen, zumal ich es schwierig finde, in der aktuellen Situation einen Ersatz einzubringen.

          Also habe ich aus dem Advanced Bestiary die Plantblood-Schablone genommen und mit dem Spieler abgemacht, dass er nach und nach diese Schablone gewinnt. Wie Stahlherz damit persönlich umgeht, ist Sache des Spielers, wobei meine Maßgabe grundsätzlich so aussah, dass Stahlherz nicht allzu glücklich mit dieser Veränderung ist. Ich glaube nicht, dass diese Veränderung langfristig funktioniert und denke, dass Stahlherz im Moment in “geliehener Zeit” spielt. Ob er dann unter der Erde zurückbleibt, sich der Dryade anschließt, ob er davon läuft oder was auch immer – ich weiß es nicht. Und ich glaube, so ganz sicher ist sich Willi auch nicht :-)

          • Wenn wir das Volk der Zwerge vor dem Aussterben retten, dann wird dieser Vorgang bestimmt Stahlherzens Körper reinigen und diesen wieder zu einem echten Zwergen werden lassen. Daran glaube ich fest!!! ;-)

            Danke für die ganzen, feinen Hintergründe, auch wenn ich wünschte, ich hätte das mit dem Geist noch viel besser, mit Sicht auf die zu gewinnenden Informationen, hinbekommen. Ärgere mich da ein wenig ein zu weiches Herz mit dem armen Wächter gehabt zu haben. Das geht klar auf meine Kappe. Dennoch, sehr feine Location mit sovielen “?”, dass man eine ganze Kampagne darum stricken könnte. Ick freu mir…

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