Die Belagerung von Karrûk

In meiner ursprünglichen Planung unserer Natamis-Kampagne stellt die Belagerung von Karrûk einen wichtigen Meilenstein dar, weil hier erstmals eine tiefgreifende Veränderung geschieht: Ein neues Volk betritt den Plan und beansprucht einen Platz in der Welt. Für mich war dieser Teil der Kampagne sehr wichtig und dementsprechend ausführlich waren meine Vorbereitungen für den vergangenen Spielabend.

Jetzt ist es eine Binsenweisheit, dass kein Plan den Kontakt mit dem Feind übersteht. Und auch wenn meine Mitspieler nicht der Feind sind, gab es doch einen wesentlichen Einschnitt in meine Vorbereitungen (inkl. genauer Zeitablauf der Belagerung und Eroberung der Stadt, Interventionsmöglichkeiten, Szenen und Begegnungen und so weiter): Die Spieler.

Denn damit, dass sie der Auffassung sind, nichts ausrichten zu können und ihr Heil in der Flucht zu suchen, habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Im Wesentlichen ist aber genau das passiert: Die Spieler haben die Gegend erkundet, Aufzeichnungen angestellt und sind in Richtung Karrûk gereist. Unterwegs gab es Spuren und Hinweise auf Kämpfe, aber der Marsch verlief ruhig. Kaum erblickten sie die Stadt, entspann sich die Diskussion über den nächsten Schritt.

Und anstatt den Belagerten zu helfen, anstatt dem Baron in seiner Festung zur Hilfe zu eilen, anstatt die Kriegsmaschienen der Rattenmenschen zu sabotieren – wollten meine Spieler sich an die Küste durchschlagen und mit einem Boot nach Thelfelden segeln (um dort Hilfe zu holen).

Ich gebe zu, dass ich damit nicht gerechnet hatte. Der Preis von freier Welt und freier Handlung. Aber einen Vorwurf kann ich meinen Spielern auch nicht machen: Angesichts der überwältigenden Masse an Gegnern war es vielleicht zu schwer, eine sinnvolle Option zu erkennen,

Nach meinem Verständnis hätten gute Charaktere zwar irgendetwas getan, um der belagerten Stadt zu helfen, Helden vielleicht auch, ohne allzu sehr auf ihre eigene Sicherheit bedacht zu sein. Aber die Angst der Gruppe war wohl zu groß. Ich habe mich früher in diversen Fantasy-Romanen immer darüber gewundert, dass die Unterstützung bei der entscheidenden Schlacht so schwer zu erreichen war. Denn: Wenn das Bose eine Stadt erobert und gewinnt, breitet es sich weiter aus. Da ist es doch besser, gemeinsam und rasch zuzuschlagen und dem Gegner keine Gelegenheit zu geben, sich erst einzurichten. Womöglich hätte ja auch ein gezielter Schlag gegen den Anführer der Ratten Erfolg gehabt.

Nun, ich tröste mich mit dem Gedanken, meinen Spielern die Freiheit zu geben, die ich ihnen versprochen habe und damit, dass ich all die Pläne und Werte und Szenen auch an anderer Stelle wieder verwenden kann. Denn am Ende geht es ja nicht darum, dass der Spielleiter all die tollen Dinge ausbreiten kann, die er vorbereitet hat, sondern darum, einen lustigen, gemeinsamen Abend zu verbringen.

3 thoughts on “Die Belagerung von Karrûk

  1. Sowas passiert, wobei ich das ebenso nicht sehr heldenhaft finde. War den Helden vielleicht nicht klar oder deutlich genug vor Augen, dass eine Verzögerung nachhaltige Konsequenzen hat?

    Wenn ja und sie das ignoriert haben, sollte man ihre Gesinnung überarbeiten, aus Spielleitersicht. Weil gute Charaktere hätten nicht so gehandelt, zumindest nicht, ohne etwas zu versuchen und dann einzusehen, dass es aussichtslos ist, aber so gar nichts?

    • Ich will nicht ausschließen, dass ich meinen Spielern vielleicht zu viel Angst gemacht habe. Nach Rücksprache habe ich erfahren, dass zumindest ein Spieler eine deutliche Richtungsvorgabe von mir wahrgenommen hat. Das klären wir intern.

      In meinem Blog schreibe ich ja nur meine subjektiven Eindrücke, ohne mich beschweren zu wollen. Ich entschuldige mich auch, wenn es falsches Bild meiner Spieler entsteht ;-)

      • Hab ich nicht so verstanden^^

        Es gibt ja auch viele nachvollziehbare Gründe, auch aus Charaktersicht hier nicht einzugreifen, sondern andere Wege zu gehen, aber ich finde halt, ein guter Charakter, also mit guter Gesinnung hätte zumindest versuchen müssen, die anderen zu überreden, was zu tun.
        Sollte auch keine Kritik sein, sondern man kann das doch jetzt super benutzen für weitere Handlungen.

        Und für Rollenspiel. Vielleicht fühlen die Charaktere sich schuldig, wenn sie von den vielen Toten erfahren und versuchen Buße zu leisten oder nur ein Teil des Dorfes ist erfreut über ihre Taktik, andere nennen sie feige. Oder jemand nimmt sich vor, ab jetzt auf die Schwachen aufzupassen oder alle Ratten, egal was sie wollen zu töten.

        Iwas halt ;)

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