Über Namen im Rollenspiel

Die Aufgaben eines Spielleiters sind vielfältig und zu den allermeisten davon wurde bereits eine Menge geschrieben. Artikel zu der Frage von Namen im Rollenspiel finden sich in fast jedem Blog und Forum. Ich weiß nicht, ob ich hier zu einer wesentlichen neuen Erleuchtung beitragen kann – aber das ist auch gar nicht mein Anspruch. Ich möchte nur schildern, wie ich mit Namen im Rollenspiel umgehe und wie ich zu Namen für all die Orte und NSCs komme.

Für mich spielen Namen im Rollenspiel eine wichtige Rolle. Sie helfen dabei, der Spielwelt Leben einzuhauchen, stellen Verknüpfungen her und dienen dazu, mit Charakteren in der Spielwelt so etwas wie Vertrauen aufzubauen. Dabei erhöhen sie die Identifikation der Spieler mit den Orten und Figuren und machen die Erzählung glaubhafter. Eine Stadtwache, die plötzlich einen Namen hat, wirkt lebendiger als ein generischer NSC, wie er an jeder Ecke stehen kann. Mit dem Namen kommt vielleicht schon eine erste Vorstellung von der Person. Und ohne dass ich als Spielleiter hier groß Arbeit investieren muss, habe ich einen weiteren Beitrag zu einer stimmungsvolleren Welt geleistet.

Namen kopieren
Die einfachste Möglichkeit, einer Figur einen Namen zu geben ist es sicherlich, einen Namen zu kopieren, zum Beispiel aus einem Buch, einem Film oder einem Spiel. Das eignet sich immer dann besonders gut, wenn ich weiß, dass meine Spieler ein bestimmtes Buch nicht kennen. Denn die Gefahr ist ja, dass mit dem Namen eine besitmmte Person mit bestimmten Eigenschaften und einer bestimmten Geschichte verbunden wird.

Diese Assoziation kann ich als Spielleiter nutzen, um mir Eigenschaften der NSC zu merken und die Figuren konsistent darzustellen (Ich kenne z.B. Gandalf gut genug, um ihn immer gleich und trotzdem vielschichtig zu spielen). Auf der anderen Seite wecke ich natürlich bestimmte Erwartungen bei den Spielern und störe vielleicht eine bestimmte Vorstellung, die ich von dem Ort habe. Gandalf, der blutrünstige Barbar begegnet vielleicht bei den Spielern erheblichen Vorbehalten und stört die Immersion in die Spielwelt.

Daher auch mein Tipp, vielleicht nicht nur nach den Protagonisten in einer Geschichte zu gucken. Die Namen von “Nebenrollen” merken sich Leser und Zuschauer in der Regel schlechter.

Namen verfremden
Deshalb ist die erste, vielleicht etwas fortgeschrittene Variante vom Kopieren der Namen einen Namen zu verfremden, etwa indem ich einfach Buchstaben verdrehe oder Vokale austausche. So kann aus Gandalf Gundolf werden. Ich kann auch die Betonung eines Namens verändern, indem ich zum Beispiel mit Akzenten oder einem Apostroph arbeite: Gun’Dolf.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass schon beim Verfremden von Namen die Phantasie weiter angeregt wird und ich weiter mit dem Namen spiele. Der Klang bestimmter Namen weckt vielleicht Assiziationen mit anderen Namen oder bestimmte Laute verbinden wir mit bestimmten Kulturen. Gun’Dolf klingt schon viel mehr nach unserem blutrünstigen Barbaren.

Für mich funktioniert das Verfremden von Namen besonders gut bei kleinen Orten. Ich schaue auf eine Landkarte und stelle mir aus den gefundenen Namen neue zusammen. Kalten-Hofen, Berg-Dorf (ist vielleicht zu “platt”, aber vielleicht doch passend). Bestimmte Gegenden weisen auch bestimmte Ortsnamen auf (-hof, -wied, -rod). Das kann man gut übernehmen.

Fremde Sprachen
Besonders beliebt für die Namensfindung sind bei mir Online-Übersetzer wie zum Beispiel bei dict.cc. Hier kann ich Wörter in viele beliebige Sprachen übersetzen lassen, was besonders dann reizvoll wird, wenn ich eine Sprache wähle, die meine Spieler nicht fließend beherrschen. Ich persönlich habe hier eine Vorliebe für Finnisch entdeckt. Aber auch die Besinnung auf lateinische Sprachwurzeln liefert immer wieder reichlich Inspiration für Namen.

Natürlich lassen sich auch fremdsprachige Wörter beliebig verfremden.

Ähnlichkeiten und Muster
Akzente, Apostrophe und bestimmte Buchstaben-Verbindungen oder Silben lassen sich dann auch bestimmten Kulturkreisen in der Spielwelt zuordnen.

Gun könnte eine bei den Zwergen gebräuchliche Silbe sein. Oder eine Bezeichnung für einen bestimmten Barbaren-Stamm. Der eigentliche Rufnahme wird dann durch einen Zusatz gebildet. Vielleicht sind bei den Elfen – Achtung, Klischee – eher helle Vokale wie e, i oder a beliebt. Oder Verbindungen wie in Gandealf oder Gaendalf.

Irgendwie kam ich dazu, dass eine Stadt in Natamis Bocan heißen soll. Ich habe dann später entschieden, dass Can aus der Alten Sprache stammt und Stadt bedeutet. Was auch immer BO bedeuten mag, habe ich dadurch eine Silbe gefunden, die sich bei natamischen Städten häufiger finden lässt. Und hier kann ich auch zur Stimmung in der Spielwelt beitragen; die Silbe CAN wird natürlich vor allem bei alten Städten Verwendung finden. Die Spieler erleben eine gewisse Konsistenz und können sich darauf einrichten.

Telefonbücher und Mythologie
Eine weitere wichtige Quelle zur Inspiration waren für mich Telefonbücher. Besonders stimmungsvoll fand ich es dabei, gefundenen Nachnamen als Vornamen zu verwenden, gerade dann, wenn es sich nicht um “typische” Namen wie Meier, Müller oder Schulze handelte. Meine Kriegerin, damals bei World of Warcraft, hörte auf den Namen Amantea; ein Name, den ich im Telefonbuch gefunden hatte.

Auch wenn vielleicht mittlerweile Telefonbücher nicht mehr ganz so geläufig sind, kann es helfen, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und beim Lesen der Zeitung und Nachrichten auch auf Namen zu achten.

Außereuropäische Mythologie, die vielfach nicht im Detail bekannt ist, eigent sich in gleichem Maße als Quelle, vor allem die alten Hochkulturen wie Sumer oder Babylon.

Sprechende Namen
Schließlich kann es auch hilfreich sein, mit dem Namen einer Person oder eines Ortes bereits seine Rolle in dem Abenteuer zu unterstreichen. Frühere Berufsbezeichnungen sind heute vielfach gebräuchliche Nachnamen (Wagner, Müller, Schneider etc.). Gerade Warhammer Fantasy fällt mir hier ein. Die britischen Autoren haben den NSC häufig deutsche Namen gegeben – das funktioniert natürlich auch in die andere Richtung.

Namenslisten
Zum Abschluss darf natürlich der Hinweis auf die obligatorische Namensliste nicht fehlen, die ich jedem Spielleiter nur ans Herz legen kann. Insbesondere dann, wenn jemand nicht so gut darin ist, sich spontan einen Namen auszudenken (was gerade bei der Erforschung fremdartiger Kulturen der Fall sein kann), empfiehlt es sich, bei der Vorbereitung einen Zettel mit typischen Namen zu erstellen, auf die ich dann zugreifen kann. Eine Welt, in der sogar die Wachen des elfischen Palastes einen Namen haben, wirkt auf die immer glaubhafter.

 

One thought on “Über Namen im Rollenspiel

  1. Da ich selber auch als Spieler eine solche Liste pflege (meist coole Namen aus den Medien “geklaut”), ist diese auch für die meisten Spieler eine Überlegung wert. Mir hilft sie immer ungemein.

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