Die Welt in Kästchen

Als ich vor vielen, vielen Jahren mit dem Rollenspielen begonnen habe, hatten wir keine Bodenpläne und keine Figuren. Wir haben Kämpfe in unserer Phantasie bestritten, allenfalls orientiert an einer einfachen Skizze. Das führte immer wieder zu den beliebten Diskussionen: Kann ich den Gegner erreichen? Sehe ich meinen Gefährten? Wie weit ist X von Y entfernt? Kurzum: Kämpfe waren unpräzise.

Bei Chtulhu bestand für mich nie das Bedürfnis nach Bodenplänen, weil die paar Schießerein oder Handgemenge keine taktische Tiefe erforderten. Das änderte sich für mich mit Dungeons & Dragons 3.5, mit dem die Kästchen Einzug auf meinen Spieltisch hielten.

Und ich will in diesem Aritkel gar nicht darauf schimpfen. Für mich ist klar: Rollenspiele mit Bodenpläne sind eben eine bestimmte Art von Spiel; für mich ändert sich der Spielmodus, wenn es an die Kämpfe geht. Hier wird für mich die Grenze zur taktischen Kampfsimulation überschritten; mit Rollenspiel hat das nur wenig zu tun und es fördert eine bestimmte Art von Spiel, die mir weniger Spaß macht. Soweit, so gut.

Auf der anderen Seite hat die Visualisierung einer Kampfsituation Vorteile. Denn selbst wenn es nur um die taktische Kampfsimulation geht, ist es gerade hierbei wichtig, präzise zu sein. Fragen, wer was sieht, wer wo steht und wer wen erreichen kann, können einfach geklärt werden, indem ich einen Blick auf den Spieltisch werfe.

Was mich an den Kästchen stört

Mir geht es diesmal um die Kästchen an sich. Pathfinder hat ein kästchen-basiertes Kampfsystem. Das heißt, ich habe Bodenpläne, auf denen ein Gitternetz abgedruckt ist. Das stört mich. Für mich führt das zu einer rechtwinkligen Welt. Bewusst oder unbewusst versuche ich beim Skizzieren von Orten immer, Kästchen zu berücksichtigen, einzelne Kästchen nicht zu voll zu malen und die Umgebung daran auszurichten. Es führt weiter dazu, dass ich statt einer stimmungsvollen Karte des Geländes immer ein Gitternetz darüber habe. Ich sehe zum Beispiel in erster Linie nicht die Waldlichtung, sondern die Kästchen.

Und bei der Bewegung… Da gehe ich nicht dahin, wo ich hingehen will, sondern ich zähle die Kästchen und gehe so, dass ich die Bewegungsweite optimal ausnutze – hier schräg, da gerade, da zählt es nur ein Kästchen, da anderthalbfach.

Die Alternative I: Iron Kingdoms

Als Warmachine/Hordes-Spieler habe ich auch das zugehörige Rollenspiel Iron Kingdoms im Regal stehen und gelesen. Das Rollenspiel hat große Ähnlichkeiten zu dem Tabletop – nicht nur, was die Regeln betrifft, sondern auch die Darstellung des Kampfes. Und das heißt vor allem: Es verwendet keine Gitternetze, sondern ein Maßband.

Hierbei wird der Wechsel vom “Rollenspiel” zum “Tabletop-Kampf” besonders deutlich – oder eben consequent umgesetzt. Die Vorteile? Ich denke nicht mehr in Kästchen, sondern in Entfernungen und gewinne dadurch gefühlt mehr Freiheit. Das erinnert mich immer an die Zeit, als damals die Dungeons in den Computer-Rollenspielen plötzlich nicht mehr eckig waren, sondern auch Rundungen und Kurven umgesetzt werden konnten (z.B. Ultima Underworld).

Für eine Umsetzung in Pathfinder ist lediglich eine Umrechnung der Fuß-Angaben in Zoll notwendig. In Iron Kingdoms entspricht ein Zoll etwa 6 Fuß in der Spielwelt, in Pathfinder 1 Kästchen 5 Fuß oder 1,5 Meter. Ich kann also grob dabei bleiben, 1 Zoll wie 5 Fuß zu behandeln und dadurch entsprechend Radien oder Entfernungen oder Bewegung messen. Theoretisch könnte ich auch Bewegungsweiten gleich in Roll angeben, was aber nicht notwendig ist.

Die Alternative II: Warhammer Fantasy 3. Edition/Star Wars (FFG)

Eine andere, vielleicht noch bessere Alternative stellen Systeme mit relative Entfernungen dar. Wenn ich den Blick zurück werfe, warum wir begonnen haben, Bodenpläne zu verwenden, stelle ich mir die Frage, ob ich den gewünschten Effekt nicht auch anders erreichen kann. Und Fantasy Flight Games hat das mit seinen beiden Rollenspielen über die relative Entfernungen gelöst. Eigentlich ist es nicht wichtig, ob der Gegner 14 oder 15 Meter von mir entfernt steht. Wichtig ist: Kann ich ihn in einer Runde erreichen und angreifen? Kann ich ihn mit meinem Wurfmesser treffen oder wie schwer ist es, ihn zu treffen?

Das System führt ein bisschen weg von der Visualisierung der Kampfsituation, verwendet aber auch keine Kästchen. Bodenpläne kann ich jedoch immer noch einsetzen, weil die Entfernungen grundsätzlich einfach sind (nah, fern, in Kontakt). Und für das, was ich damit erreichen will, reicht es.

Der weitere Vorteil für mich ist, dass in vielen Situationen auch eine einfache Skizze der Situation ausreicht.

Kann ich das in Pathfinder leicht umsetzen? Dazu muss ich lediglich die Entfernungskategorien definieren. Das hat aber gegebenenfalls weitere Auswirkungen auf bestimmte Talente oder Zauber, die sorgfältig betrachtet werden sollten. So muss ich mir zum Beispiel die Frage stellen, welche Figuren von einem Feuerball getroffen warden. Manchmal kommt es Spielern sehr genau darauf an, wo der Feuerball platziert wird, um Freunde und Verbündete nicht zu treffen. Die Präzision wäre in diesem Modell nur schwer möglich.

 Und zum Schluss…?

…werde ich die beiden anderen Systeme ausprobieren, weil mich die Welt in Kästchen mit jedem Mal, zu dem ich einen Bodenplan auspacke, mehr stört. Ich möchte die Kämpfe einfach freier gestalten aber gleichzeitig keine Diskussion darüber führen, wo wer steht, wer wen sieht und so weiter.

Nutzt den Kommentarbereich gerne für eure Erfahrungen und Meinungen!

 

8 thoughts on “Die Welt in Kästchen

  1. Eine kleine Anmerkung: Eigentlich gehören zu dem Artikel Bilder der einzelnen Möglichkeiten; diese muss ich leider nachreichen.

    Also diesen Montag: Einen noch nicht 100% fertigen Artikel statt gar keines Artikels.

  2. O.k. Problem ist erkannt und verstanden.
    Und ja, sobald es zu Kämpfen kommt und der Bodenplan in den Mittelpunkt rückt, wird es eine andere Art von Spiel.
    Ich persönlich habe weniger das Problem mit den Kästchen, als dass das darunter meist das Rollenspiel leidet.

    • Mir würde gefallen, dass wir in dieser Phase des Spiels mehr inplay bleiben und als Charaktere sprechen.

      • Mir auch und ich habe das auch schon versucht ABER ich schaffe das nicht wirklich. Im Abenteuerpfad wo kein noch so kleiner Fehler verziehen wurde habe ich für sowas dann einfach keine Ressourcen mehr im Kopf frei. Geplante Kämpfe fordern irgendwie immer meine volle Aufmerksamkeit. Leider…

  3. Oli mach dir nichts draus, ich kann es auch nicht besser.
    Aber das wäre wirklich etwas, wofür es sich lohnt anzustrengen.
    Bei Stahlherz habe ich das in der kritischen Situation einmal durchgezogen und auch, wenn der Charakter dadurch nicht gerettet werden konnte bin ich der Meinung, dass es richtig gewesen ist.
    Aber hier geht es ja eigentlich um ein anderes Thema.

    • Ich würde vorschlagen, wir diskutieren das auch mal in unserer Runde und wenn es eine Mehrheit gibt, dann sollten wir es einfach einmal ausprobieren und schauen wie sich das anfühlt und ob es unserer Art von Spiel entgegen kommt und wo evtl. noch nachgebessert werden müsste bzw. es mit den Pathfinderregeln kollediert.

      • Du weißt das wir da schon einmal waren und eigentlich fast gar nichts davon übrig geblieben ist. Lediglich Betzi und ganz selten auch Du bekommen das immer wieder mal noch hin.

  4. Kann deine Punkte da voll verstehen – die Kästchenzählerei ändert das Rollenspiel dann tatsächlich zu einem Brettspiel à la Descent etc.
    Das finde ich auch immer ein bisschen schade beim Spiel mit sehr simulatorischen Regelsystemen. Die FFG-Systeme sind da sehr entspannend, Reichweiten irgendwie abstrakt bestimmt und gut ist. Finde ich auch besser als Warmachine, da ein Rollenspiel eben auch kein Tabletop ist, sondern ein Rollenspiel. Dann heißt es halt nicht mehr “ich schleiche am Waldrand entlang und versuche im Schatten zu bleiben”, sondern: “Ich geh da mal 5″ hin”. Da geht leider auch wieder viel verloren…

    Von daher bin ich bei Rollenspielsystemen immer etwas mehr für Abstraktion denn Simulation und dann hab ich lieber ein paar coole Sondermanöver weniger, sondern beschreibe das lieber und hab halt keinen Regelvorteil dadurch ^^

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>