Der Untergang der Familie Holzen

Auf der Suche nach dem vermissten Hauptmann Titus stolperten die Charaktere über eine merkwürdige Anbetung im Keller des Hauses der Bauernfamilie Holzen. Entsetzt über die Blamsphemie – ach nein. Dazu sind wir dann doch zu erfahrene Spieler, die am vergangenen Spielabend angefangen haben, zu entdecken, dass hinter der beschaulichen Fassade von Thelfelden der ein oder andere Abgrund schlummert.

Nicht, dass das das Weltbild unserer wackeren Recken erschüttert. Ja, ich gestehe, dass ich das schade finde und mir anders vorgestellt hatte. Nun, das wird vielleicht ein noch späterer Schritt. Denn im Großen und Ganzen habe ich den Spielabend als gelungen empfunden.

Die Spur von Hauptmann Titus führte über Aristo, einen stadtbekannten Trinker und Hochstapler, zum Hof der Holzens. Eine nächteliche Erkundung förderte eine riesige Blutlache am Misthaufen zu Tage. Und merkwürdige Gesänge aus dem Keller. Die Charaktere wagten sich hinunter, fanden in der Küche die Überreste eines geschlachteten und unfachmännlisch zerteilten Pferdes – und im Keller die Familie Holzen, die vor einem behelfsmäßigen Altar kniete. Zum guttaralen Gesang in einer dunklen Sprache (“Kann ich die mit Wissen Religion erkennen?”) war der Hauptmann elendig verblutet.

Vom gerechten Zorn des Lichts erfüllt stürmten die Charaktere die Schwarze Messe und streckten die Heretiker nieder! Keiner konnte lebendig entkommen…

… bis auf die einzige Tochter der Familie, Ismalda, die Zuflucht auf dem Nachbarhof fand, dort aber von der eilends herbeorderten Wache verhaftet warden konnte. Leutnant Rovan, ein blonder, junger und eher unerfahrener Wachmann, sah sich mit der persönlichen Herausforderung konfrontiert, nunmehr die Wache von Thelfelden zu leiten, was ihn anfangs überforderte – bis man auch ihn eine Weile nicht mehr sah.

In den Nachwehen der Entdeckung gingen die Charaktere ihren täglichen Beschäftigungen nach, versuchten, das Symbol, das sie im Keller der Holzens gefunden hatten, zu entziffern (“Kann ich die mit Wissen Religion erkennen?”) und gerieten mit Onkel Balin in Konflikt, der immerhin einen einfachen Dolch zu einem überteuerten Preis verkaufen konnte.

Am Abend des Tages erregte eine dichte Rauchsäule die Aufmerksamkeit der Thelfeldener; natürlich kam diese vom Holzen Hof. Rasch begaben die Charaktere sich dort hin, um feststellen zu müssen, dass jemand absichtlich ein Feuer gelegt hatte, dem das Haus zum Opfer fiel. Gleichzeitig entdeckte Xander, dass Ismalda nicht wie vermutet in den Zellen der Wachen gefangen gehalten wurde, sondern verschwunden war. Und wo steckte Leutnant Rovan?

Es half alles nichts: Die Tür zum Büro des Hauptmanns musste aufgebrochen werden (Warum war die eigentlich verschlossen?). Und zwischen verwüsteten Regalen und zerwühlten Schriftrollen, zwischen umgeworfenen Büchern und einem Chaos aus Papier lag Rovan regungslos am Boden…

Ich bedaure wirklich, dass die Spieler den “religiösen Aspekt” der Geschichte nicht weiter gewürdigt haben. In einer monotheistischen Kultur mit einer starken Inquisition, stellt das, was im Haus der Holzens geschehen ist, eine unaussprechliche Gotteslästerung dar. Für meine Spieler war das aber im Grunde eine Selbstverständlichkeit. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich diesem Aspekt der Geschichte künftig weniger Aufmerksamkeit schenken kann, weil die Gruppe darauf nicht anspricht.

3 thoughts on “Der Untergang der Familie Holzen

  1. Interessant das Du dies so wahrgenommen hast. Immerhin haben sich die Ereignisse überschlagen und noch keiner so Recht das erlebte verarbeiten können. Wäre es nach Eisernhardt gegangen, hätte man das Ganze vermutlich gar nicht entdeckt. Dazu ist er zu sehr Trinker und Bürger, hätte also manches den Ordnungskräften überlassen. Der Schock und die Erkenntnis kommt daher bestimmt noch bei all jenen mit klarem (nicht umnebelten) Verstand. Oder wäre bestimmt gekommen. Durch den Wink mit dem Zaunpfahl dürfte der Zug jetzt abgefahren sein. Schade, denn ich als Spieler habe den krassen Bruch im gesellschaftlichen Gefüge durchaus als solchen wahrgenommen.

    Was mir gerade noch einfällt, bezüglich des Symbols hatten wir m.E. sogar versucht Wissen Religion einzusetzen. Ich glaube nur der Erfolg blieb aus.

    • Mein Punkt ist ja gerade, dass der Versuch die Szene und die Situation mit einem Wurf auf Wissen aufzulösen nicht das ist, was ich erwartet hätte. Aber das ist okay.
      Ich glaube weder, dass ein Zug abgefahren ist noch dass ihr eure Charaktere nicht noch reagieren lassen könnt.
      Aber darum geht es bei den Zusammenfassungen im meinem Blog nicht. Hier steht meine persönliche Einschätzung vom Spielabend, meist noch in der Nacht frisch getippt.
      Subjektive Wahrnehmung. Ich gebe euch kleine Testanordnungen und schaue, wie ihr damit umgeht. Wenn es euch und mir gefällt, machen wir das häufiger, wenn nicht dann nicht.
      Wenn mich was stört, klären wir das am Spieltisch :-)

  2. Also zunächst einmal, ich fand den Abend sehr gelungen.
    Momentan bin ich noch dabei mich in meine neue Figur einzuleben und hineinzudenken. Das kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch mal zu nicht gewollten Widersprüchen führen.
    Stahlherz hat mit den Göttern der Menschen nichts am Hut.
    Jedoch steht er für das Gute ein und was dort auf dem Hof der Holzens vor sich ging, war definitiv nicht gut.
    Stahlherz hat mehr ein Problem damit, dass er zum allerersten Mal getötet hat, also drei Menschen getötet hat und obwohl diese Menschen böse waren und er recht gehandelt hat, braucht er zunächst einmal Zeit das Geschehene für sich einzuordnen und zu verarbeiten.
    (Überlegt habe ich mir, dass die Sippe von Stahlherz die Tradition hat, dass man für jeden erschlagenen Feind sich die Männer einen kleinen Ring in den Bart flechten. Ein Zeichen für Ehre und Mut, ähnlich wie bei den Indianern die Skalps)
    Als Zwerg verbietet es jedoch seine Ehre vor den Kameraden diese Schwäche zu zeigen.
    Das ist jetzt auch mein Problem, da ich ja die innere Gefühlswelt von Stahlherz am Spieltisch nicht zeigen kann.

    Meine Frage wäre, wie ich das lösen kann.

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